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Fachtagung Betrifft: Intervention und Prävention in Theorie und Praxis – besondere Herausforderungen, auch in besonderen Zeiten

Beginn: 29.11.2021, 09:30 Uhr
Ende: 30.11.2021, 12:30 Uhr
Veranstaltungsort: Digitale Fachtagung
Teilnahmegebühr: 25,00 Euro
 

Frauen und Kinder, die Gewalt in nahen Beziehungen erleben, sind auf ein System angewiesen, das einerseits schnelle und passende Hilfe bietet und andererseits gut vernetzt ist, um den Betroffenen damit den Weg zu ebnen, dauerhaft der Gewalt zu entkommen. Auch muss die aktuelle Pandemie-Situation mit den Folgen von erzwungener Isolierung, fehlenden Rückzugsräumen und wirtschaftlicher Bedrohung in den Fokus rücken.

Der Fachtag richtet sich an Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen, Polizei, Justiz, Gesundheitswesen und Fachkräfte aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie an die Bereiche der Gleichstellung und Migrationsarbeit.

Das Programm bestehend aus Vorträgen und interaktiven Formaten hilft dabei, Wissen und Erkenntnisse auf abwechslungsreiche Art zu vermitteln.

Auch in diesem Jahr steht an beiden Veranstaltungstagen nach Abschluss ein Cafe-Treff für weiteren Austausch zur Verfügung.

 

Tagungsablauf

Montag, 29. November 2021

09.30 Uhr

 

Begrüßung
Prof. Dr. Ute Ingrid Haas,
Vorsitzende des Landespräventionsrates Nds.

Grußwort
Daniela Behrens,
Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

     
10.00 Uhr   Fachvortrag
Häusliche Gewalt im Kontext der Corona-Pandemie – Notwendige Differenzierungen und Implikationen für die Zukunft

Prof. Menno Baumann, Fliedner-Fachhochschule Düsseldorf
     
11.00 Uhr   Pause
     
11.15 Uhr   Foren
     
12.30 Uhr   Abschluss | Café Treff
     

Dienstag, 30. November 2021

09.30 Uhr

 

Fachvortrag
Häusliche Gewalt – Kindesschutz im Spannungsfeld zwischen Elternrecht und Kindeswohl, eine Herausforderung für Gesetzgebung, Jugendhilfe und Justiz

 Prof. Ludwig Salgo, Goethe Universität Frankfurt am Main

     
10.30 Uhr   Pause
     
10.45 Uhr   Open-Space
     
12.15 Uhr   Abschluss | Café Treff
     

Mit dem Open-Space-Format möchten wir wieder allen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, die Fachtagung mit den eigenen Erfahrungen und drängenden Fragen aus der Praxis mitzugestalten und zu bereichern. Hierfür wird es im Vorfeld der Veranstaltung die Möglichkeit geben, einen Open-Space zu einem Thema der Wahl anzumelden. Die Deadline für die Anmeldung ist der 16. November 2021. Danach haben die Teilnehmenden, die selbst keinen Open-Space anbieten möchten, die Möglichkeiten, sich für die Teilnahme an einem Open-Space anzumelden.
Für die Durchführung des Open-Space wird ein technischer Support zu Verfügung stehen. Eine möglichst große Vielfalt an Themen und Durchführenden der Open-Spaces ist ausdrücklich erwünscht!

 

Foren 

  • Forum 1: Mädchen erstarken lassen – Digitale Selbstbehauptung, Trauma, Migration
    Annika Dühnen, Mädchenhaus Oldenburg, Marie Kühling, Mädchenhaus Osnabrück, Duygu Sipahioglu, Mädchenhaus Hannove

    Konkrete Einblicke in die vom Niedersächsischen Sozialministerium geförderte Projetarbeit der Mädchenhäuser in Hannover, Osnabrück und Oldenburg zur Istanbuler Konvention

  • Forum 2: Daten im Internet und ihre Verwendung – Verbreitung - Vermeidung
    Hans-Joachim Henschel, Landeskriminalamt Niedersachsen

    Anhand von typischen Beispielen wird gezeigt, wie leicht durch die Veröffentlichung von Daten im Netz persönliche, sensible und intime Spuren hinterlassen werden und was Kriminelle damit machen können.

  • Forum 3: „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ – Was sagen, was tun!
    Yasemin Wolgast, Gleichstellungsreferat der Stadt Braunschweig

    Braunschweig ist die erste niedersächsische Stadt, die das gewaltpräventive Konzept: „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ umsetzt. StoP möchte das Thema „Partnergewalt“ enttabuisieren, die Nachbarschaft und die Akteure des jeweiligen Stadtteils für dieses schwerwiegende Problem sensibilisieren.

    Das Konzept wird erläutert und es wird über Erfahrungen aus der Praxis berichtet. Im Anschluss soll über die These „Häusliche Gewalt betrifft uns alle!“ diskutiert werden.

  • Forum 4: Täterin sein und Opfer werden? Extrem rechte Frauen und häusliche Gewalt.
    Katrin Degen, Buchautorin

    Auch (extrem) rechte Frauen* werden Opfer häuslicher Gewalt und sind daher potenzielle Klientinnen* des Frauen*hilfesystems. Hieraus ergeben sich jedoch Besonderheiten, welche in der professionellen Arbeit größere Beachtung finden müssten. Wer sind diese Frauen*? Welche Herausforderungen können sich für die Einrichtung durch deren* Anwesenheit ergeben? Und können Handlungsempfehlungen für den Umgang ausgesprochen werden? Auf diese Fragen sollen im Verlauf dieses Forums Antworten gefunden werden.

     

  • Forum 5: Warum Prävention so wichtig ist  
    Helena Behrens, Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V. Hannover

    Neben klassischen Präventionsangeboten für Frauen und jugendliche Mädchen mit Beeinträchtigungen (z.B. WenDo) oder Präventionsmaterialien gegen sexualisierte Gewalt (z.B. Broschüren in leichter Sprache) steht die persönliche Haltung gegenüber den Klient:innen im Vordergrund. Sie spielt gerade bei Grenzüberschreitungen eine entscheidende Rolle.

    Es gibt viele weitere gute Gründe für Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Frauen und jugendliche Mädchen mit Beeinträchtigungen, denn Wissen schafft Sicherheit! Doch welche Gründe gibt es noch?

    Anhand regionaler und überregionaler Beispiele werden gelungene Präventionsprojekte und dazugehörige Materialien vorgestellt.

  • Forum 6: Unter der Oberfläche: Frühzeitige Hilfestellung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt – Beratungs- und Präventionsarbeit der pro familia Niedersachsen
    Cathrin Schulz, pro familia Beratungsstelle Wilhelmshaven und Uta Engelhardt, pro familia Niedersachsen e.V.

    In allen Beratungsstellen der pro familia werden verschiedene Formen der Gewalt in allen Beratungsformen und in der Präventionsarbeit sichtbar, auch wenn Gewalt zunächst von den Klient*innen nicht thematisiert wird, sei es in der Schwangerenberatung, in der Schwangerschaftskonfliktberatung oder in Präventionsveranstaltungen. Erste Unterstützungen und Informationen werden angeboten und lokale und geeignete Hilfsangebote und Interventionsstellen können vermittelt werden. Die zunehmenden Auswirkungen der Corona-Krise – gewaltfördernde Risikofaktoren wie Stress durch Kurzarbeit, Depressionen, Angstzustände – zeigen sich auch vermehrt in den Beratungen. Deshalb ist verstärkte Netzwerkarbeit und Sensibilisierung der Fachkräfte zum Thema Gewalt so wichtig wie nie.

  • Forum 7: Transkulturelle Herausforderungen in der Beratung, Begleitung und Betreuung von Opfern weiblicher Genitalverstümmelung
    Nadine Ngantcha und Kass Kasadi, baobab – zusammensein e.V.

    In dem Vortrag mit anschließender Diskussion wird es um die Bedingtheit der Kulturaffinität in der Prävention gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) gehen. Anhand kommunikativer Beispiele wird die Möglichkeiten einer transkulturellen und nachhaltigen Prävention verdeutlicht.

    In Niedersachsen ist baobab – zusammensein e.V. derzeit das einzige landesweit aktive Netzwerk, das sich in diesem Bereich engagiert. Doch ist es auch klar, dass Prävention für die ca. 4.700 betroffenen Frauen (älter als 18 Jahre) und ca. 1.500 gefährdeten Mädchen (jünger als 18 Jahre) (Dunkelzifferstatistik von Terre des Femmes, Stand Oktober 2019; deutschlandweit sind es ca. 70.000 Frauen und ca. 17.500 Mädchen) erfolgreich sein kann, wenn viele Einrichtungen und Verwaltungsbereiche eingebunden werden. Schließlich wollen und sollen die Menschen nicht in einem abgegrenzten Bereich leben, sondern aktives und vollwertiges Mitglied der Mehrheitsgesellschaft sein.