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Fachtagung Betrifft: Häusliche Gewalt
Interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort - Häusliche Gewalt im Zeichen der Istanbul-Konvention effektiv

Datum: 04.12.2019, 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Veranstaltungsort: Akademie des Sports, Ferdinand-Wilhelm-Fricke Weg 10, 30169 Hannover
Teilnahmegebühr: 30,00 Euro
 

Die diesjährige Fachtagung aus der Reihe „Betrifft: häuslicher Gewalt“ befasst sich mit dem Thema der interdisziplinären Zusammenarbeit vor Ort.

In Ihrem Fachvortrag stellt Prof. Dr. Sabine Stövesand Erfahrungen aus 10 Jahren „StoP – Stadtteile ohne Partnerschaften vor“ und verdeutlicht anhand dessen das Potenzial lokaler sozialer Netzwerke für die Prävention häuslicher Gewalt.

Die Foren geben anschließend vertiefende Einblicke in die Arbeit vor Ort. Am Nachmittag gibt es dann zudem durch sechs verschiedene Projektspots die Möglichkeit, bereits etablierte aber auch innovative Projekte kennenzulernen.

Außerdem wird Sandra Kotlenga von Zoom e.V. einige Ergebnisse aus zwei derzeit laufenden Befragungen zum Hilfesystem in Niedersachsen präsentieren. Abschließend führt Zoom e.V. durch ein moderiertes Penal mit Praktiker*innen aus den Bereichen Justiz, Polizei, Beratungs- und Frauenhausarbeit, Täterarbeit, Jugendamt und Gleichstellung zur der spannenden Frage, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort gelingen kann.

Ablauf

10.00 Uhr   Begrüßung
Prof. Dr. Ute Ingrid Haas, Vorsitzende des Landespräventionsrates Niedersachsen

Grußwort
Grant Hendrik Tonne, Niedersächsischer Kultusminister
     
10.15 Uhr   Fachvortrag
Community matters! Das Potenzial lokaler sozialer Netzwerke zur
Prävention häuslicher Gewalt am Beispiel „StoP“                
Prof. Dr. Sabine Stövesand, University for Applied Sciences Hamburg
     
11.15 Uhr   Foren
     
12.15 Uhr   Mittagspause
     
13.00 Uhr   6 Projektspots
     
14.00 Uhr   Befragungsergebnisse zum Hilfesystem aus Niedersachsen
Sandra Kotlenga, Zoom - Gesellschaft für prospektive Entwicklungen e.V.
     
14.30 Uhr   Penal „Zusammenarbeit vor Ort - wozu, mit wem und wie kann sie gelingen?“
Moderation: Zoom - Gesellschaft für Prospektive Entwicklungen e.V.
     
15.45 Uhr   Tagungsbilanz und Ausblick
Andrea Frenzel-Heiduk, Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung
     
16.00 Uhr   Tagungsende

Tagungsmoderation: Nora Stein, Landeskoordinierungsstelle Häusliche Gewalt

 

Foren 

  • Forum 1: Noch belastet oder schon traumatisiert?
    Bea Hofmayer und Michael Berg, Stiftung Opferhilfe Niedersachsen

    Wie kann die Beratung von Klient*innen mit Gewalterfahrung aus Sicht der Sozialen Arbeit gestaltet werden?
    Nicht jedes Opfer ist traumatisiert! Eine akute psychische Belastungsreaktion und eine Traumatisierung gehören beide zum Spektrum von Folgeerkrankungen nach einer Gewalttat. Wir zeigen Unterschiede auf und schildern mögliche Folgen von Gewalt für die Betroffenen.
    Ziele der Beratung sind, das Sicherheitsempfinden der Betroffenen zu erhöhen sowie Orientierung für das weitere Vorgehen zu bieten. Wir suchen gemeinsam mit den Klient*innen nach Lösungen für die Bewältigung der Straftatfolgen.

  • Forum 2: Identifizierung von Hochrisikofällen häuslicher Gewalt- Gefährdungseinschätzung – Fallmanagement
    Frank Hellwig, Polizeidirektion Braunschweig

    Vorstellung der Rahmenkonzeption der Polizeidirektion Braunschweig zur Identifizierung von Hochrisikofällen im Bereich der Häuslichen Gewalt
    Aufbau und Ablauf der Gefährdungseinschätzung in Fällen Häuslicher Gewalt
    Interdisziplinäres Fallmanagement – Projekt der interdisziplinären Koordinierungsstelle Häusliche Gewalt der Region Braunschweig

  • Forum 3: Intersektionalität in der Beratungsarbeit für gewaltbetroffene Frauen
    Leyla Ercan, Nds. Staatstheater GmbH und Laura Müller, Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

    Gewalt tritt insbesondere dort auf, wo Menschen gleich mehrfach von sozialer Ungleichheit, Benachteiligung und Diskriminierung betroffen sind. Der Intersektionalitätsansatz ermöglicht Beratenden einen differenzierten Blick auf Mehrfachbenachteiligungen und sensibilisiert für die Lebensverhältnisse, Bedarfe und Bedürfnisse von gewaltbetroffenen Frauen.

  • Forum 4: Wenn’s Zuhause knallt – Kinder nicht allein lassen
    Prävention, Beratung und Unterstützung für Kinder als Zeugen*innen häuslicher Gewalt im Landkreis Verden
    Ulla Schobert, Frauenhaus und BISS Verden und Laura Frömel, BISS Verden

    Wenn’s zu Hause knallt, sind Mädchen und Jungen häufig Zeugen*innen der Misshandlungen – meistens ihrer Mütter. Das bestehende Hilfssystem ist vielfach auf die beteiligten Erwachsenen fokussiert. Kinder werden mit ihren Gefühlen von Unsicherheit, Angst, Bedrohung, Überforderung und Schuld allein gelassen.
    Am Beispiel des Landkreises Verden wird gezeigt, wie Prävention, Beratung und Unterstützung für diese Kinder durch niedrigschwellige und auf sie zugehende Angebote gelingen kann. Neben den Möglichkeiten zeigen sie auch die Grenzen eines solchen Angebotes sowie die Herausforderungen, vor denen das Hilfesystem steht.

  • Forum 5: Große Liebe bei den Teenies: aber was, wenn es Stress gibt?
    Prävention von Gewalt in Teenagerbeziehungen
    Dr. Iris Stahlke, Universität Bremen

    Präventionsarbeit mit Jugendlichen zum Thema „Gewalt in Teenagerbeziehungen“ ist dringend notwendig, um Gewalterfahrungen und die daraus resultierenden psychischen und sozialen Folgen für Jugendliche bestenfalls ganz zu verhindern oder generell zu reduzieren. Prävention muss in diesem Zusammenhang in Maßnahmen umgesetzt werden, die sowohl altersgerecht sind, als auch die verschiedenen Geschlechterrollenkonstruktionen und Besonderheiten der ersten Liebesbeziehungen in der Adoleszenz berücksichtigen. Präventionsmaßnahmen sollten in den jeweiligen Lebenskontext der Jugendlichen – sei es Schule oder Freizeiteinrichtung – integriert sein. Zahlenmaterial, Präventionsprogramme und praktische Erfahrungen werden vermittelt und können auf das eigene Arbeitsfeld bezogen diskutiert werden.


Projektspots

  • Netzwerk Pro Beweis
    Prof. Dr. med. Anette S. Debertin
    Medizinische Hochschule Hannover
    Institut für Rechtsmedizin
  • Die NO STALK App
    Brigitta Brüning-Bibo
    WEISSER RING Stiftung
  • StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt
    Susanne Koch und Ulrike Adam
    Gleichstellungsreferat der Stadt Braunschweig
  • maedchen#channel – Digitale Selbstbehauptung für Mädchen
    Doris Beel und Barbara Haff
    Mädchenhaus Oldenburg e.V.
  • Beratung und Hilfen für von ehrbezogener Gewalt und Zwangsheirat bedrohter
    und betroffener Paare
    Gülseren Aybay und Tanja Domeier
    kargah e.V. / SUANA
  • Präventionskoffer - Unterstützung präventiver Arbeit in der Kita und Schule
    Leni Müssing
    Violetta – Verein gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und jungen Frauen e. V.