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Fachtagung Betrifft: Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen für die Intervention und Prävention bei häuslicher Gewalt

Beginn: 30.11.2020, 09:30 Uhr
Ende: 01.12.2020, 12:30 Uhr
Veranstaltungsort: Digitale Fachtagung
Teilnahmegebühr: 25,00 Euro
 

Die Fachtagung „Betrifft: Häusliche Gewalt" versammelt jährlich rund 200 Fachkräfte zum Thema Intervention und Prävention von häuslicher Gewalt aus ganz Niedersachsen. In diesem Jahr standen wir bei der Planung der Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen - erstmals wird die Fachtagung daher in digitaler Form veranstaltet. Auch wenn wir dadurch auf persönliche Begegnungen verzichten müssen, möchten wir Wissenstransfer und kollegialen Austausch ermöglichen - denn häusliche Gewalt ist auch in der Krise ein Thema von besonderer Dringlichkeit.

So erwartet Sie auch in diesem Jahr ein spannendes Programm bestehend aus Vorträgen und interaktiven Formaten, die sich gleichermaßen mit Forschungsergebnissen und Praxiserfahrungen zum Thema häusliche Gewalt befassen. Gleich zu Beginn wird Antje Joel in Ihrem Vortrag aus Ihrem Buch „Prügel – eine ganz normale Geschichte häuslicher Gewalt" berichten und den Zusammenhang zwischen häuslichen und gesellschaftlichen Zwängen und Kontrollmechanismen vorstellen. Anschließend geben die Foren Einblicke in relevante und aktuelle Themen, wie Cyber-Stalking, Selbstfürsorge in der Arbeit mit Betroffenen und die nachhaltige Vernetzung in der Täterarbeit. Einen weiteren Vortrag wird es am zweiten Tag zu den Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Umgangskontakte und den Spagat zwischen Gewaltschutz, Kinderschutz und Umgangsrecht von Alexander Korittko geben. Abschließend wird allen Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, sich zu besonders dringlichen Fragen im Rahmen eines Open-Spaces in kleinen Gruppen ungezwungen auszutauschen, z. B. zur Zusammenarbeit vor Ort.

 

Tagungsablauf

Montag, 30. November 2020

09.30 Uhr

 

Begrüßung
Prof. Dr. Ute Ingrid Haas,
Vorsitzende des Landespräventionsrates Nds.

Grußwort
Boris Pistorius,
Niedersächsischer Ministerium für Inneres und Sport

     
10.00 Uhr   Fachvortrag
Zwang und Kontrolle - Wie unsere Gesellschaft Frauen
gefangenhält und was wir dagegen tun können

Antje Joel, Buchautorin
     
11.00 Uhr   Pause
     
11.15 Uhr   Foren
     
12.30 Uhr   Abschluss
     

Dienstag, 1. Dezember 2020

09.30 Uhr

 

Fachvortrag
Umgang um jeden Preis - oder Neuanfang ohne Angst?

Aspekte von Umgangsregelungen nach traumatischer Gewalt

Alexander Korittko, Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie (zptn)

     
10.30 Uhr   Pause
     
10.45 Uhr   Open-Space
     
12.15 Uhr   Abschluss
     

Mit dem Open-Space-Format möchten wir allen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, die Fachtagung mit den eigenen Erfahrungen und drängenden Fragen aus der Praxis mitzugestalten und zu bereichern. Hierfür wird es im Vorfeld der Veranstaltung die Möglichkeit geben, einen Open-Space zu einem Thema der Wahl anzumelden. Die Deadline für die Anmeldung ist der 16. November 2020. Danach haben die Teilnehmenden, die selbst keinen Open-Space anbieten möchten, die Möglichkeiten, sich für die Teilnahme an einem Open-Space anzumelden.
Für die Durchführung des Open-Space wird ein technischer Support zu Verfügung stehen. Eine möglichst große Vielfalt an Themen und Durchführenden der Open-Spaces ist ausdrücklich erwünscht!

 

Foren 

  • Forum 1: Kinder als Betroffene von Partnerschaftsgewalt: Reaktionen des Jugendamts nach einer polizeilichen Wegweisung
    Carolin Neubert und Anja Stiller, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.

    Seit dem Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 muss das Jugendamt durch die Polizei informiert werden, wenn aufgrund von Partnerschaftsgewalt in Familien mit Kindern eine polizeiliche Wegweisung erfolgt. Bisher ist wenig erforscht, wie das Jugendamt in solchen Fällen vorgeht und welche konkreten Schritte oder Maßnahmen eingeleitet werden. Im Rahmen des Forums sollen diesbezüglich Erkenntnisse aus einem aktuellen bundesweiten Forschungsprojekt des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN) zum Thema Partnerschaftsgewalt in Familien mit Kindern diskutiert werden.

  • Forum 2: Eine Stimme gegen Gewalt an Frauen und Mädchen - die Koordinierungsstelle der nds. Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt stellt sich vor
    Jessica Lach und Lisa Schmitz, Koordinierungsstelle der nds. Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt

    Die Koordinierungsstelle der nds. Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt hat Anfang des Jahres ihre Arbeit als Modellprojekt zur Begleitung der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Niedersachsen aufgenommen. In diesem Forum stellt die Koordinierungsstelle die thematischen Schwerpunkte des Projekts sowie die geplanten Maßnahmen im Rahmen der Projektlaufzeit vor.

  • Forum 3: Nachhaltige Vernetzung in der Täterarbeit
    Nicole van der Made und Verena Wilkening, Männerbüro Hannover e.V.

    Im Rahmen des Modellprojekts wurde eine Bestandsaufnahme der Täterarbeit Häusliche Gewalt in Niedersachsen durchgeführt. In diesem Forum werden die Hintergründe und Zwischenergebnisse der Befragung vorgestellt und diskutiert.

    • Struktur und Situation der Täterarbeitseinrichtungen in Niedersachsen, wo hakt es?
    • Wo und mit wem gibt es Kooperationsvereinbarungen, wie gut funktioniert die Zusammenarbeit?
    • Was sind die zentralen Herausforderungen für Täterarbeit im Flächenland Niedersachsen?
    • Wo gibt es Entwicklungsbedarf? 
  • Forum 4: Selbstfürsorge in der Arbeit mit Betroffenen von häuslicher Gewalt
    Dr. Wolfgang Dillo, Niedersächsisches Institut für systemische Therapie und Beratung Hannover e.V.

    Berichte von Gewalt und Grausamkeit hinterlassen in uns allen Spuren. Sobald wir uns empathisch in die Situation anderer Menschen hineinversetzen, spüren wir deren Gefühle, als wenn es unsere eigenen wären. Diese Fähigkeit ist einerseits die Grundlage von therapeutisch/beraterischer Arbeit andererseits macht sie uns verletzlich für die starken Emotionen der Betroffenen. Die Balance zu halten zwischen Einfühlen und Grenzsetzung ist schwierig und Bedarf großer Achtsamkeit.

    Der Workshop soll Anregungen geben, wie es Fachkräften in der Arbeit mit Betroffenen häuslicher Gewalt gelingen kann, in eine gute Haltung zu kommen, in der Selbstfürsorge nicht als Schwäche erlebt wird, sondern eine hohe Priorität hat. 

  • Forum 5: Cyberstalking und häusliche Gewalt - Wenn Privates öffentlich wird!
    Beate M. Köhler, Projektleitung Anti-Stalking-Projekt

    Cyberstalking ist eine Form der Gewalt, von der immer mehr Menschen betroffen sind. Sie hat viele verschiedene Facetten und ist oftmals schwer zu greifen. In dem Forum soll aufgezeigt werden, was Cyberstalking ist, welche Folgen es für die betroffenen Personen haben kann und welche ersten Schritte es gibt, um dieser Form der Gewalt entgegenzutreten.

  • Forum 6: Berichterstattungsstelle gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Menschenhandel: Einblick in die Konzeptentwicklung
    Silvia Schürmann-Ebenfeld und Nerea González Méndez de Vigo, Deutsches Institut für Menschenrechte

    Was beinhaltet die Konzeptentwicklung für einer bundesweiten Berichterstattungsstelle gegen geschlechtsspezifische Gewalt im Sinne der Istanbul-Konvention? Welche Zwischenergebnisse liegen bisher vor? Welche Ziele werden mit der Berichterstattungsstelle verfolgt?

    Diesen und anderen Fragen zu dem Projekt „Konzept für eine Berichterstattungsstelle gegen geschlechtsspezifische Gewalt und Menschenhandel“ am Deutschen Institut für Menschenrechte e.V. wird im Workshop nachgegangen und Wünsche an eine künftige Berichterstattungsstelle aufgenommen.