Druckversion

Fachtagung - Betrifft: Häusliche Gewalt am 29.11.2018

Datum: 29.11.2018, 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Veranstaltungsort: Akademie des Sports, Ferdinand-Wilhelm-Fricke Weg 10, 30169 Hannover
Teilnahmegebühr: 30,00 Euro
 

Die jüngsten Entwicklungen im europäischen Raum zeigen, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, Gewalt gegen Mädchen und Frauen sowie häusliche Gewalt zu bekämpfen. Qualifizierte Intervention, aber auch die Präventionsarbeit sind dabei von großer Relevanz. Es bedarf den interdisziplinären und regelmäßigen Austausch, um das Schutz- und Hilfssystem für Betroffene von häuslicher Gewalt weiterzuentwickeln und effektiv zu fördern.

Die diesjährige Fachtagung aus der Reihe „Betrifft: häusliche Gewalt“ greift erneut aktuelle Entwicklungen und Themen zur häuslichen Gewalt auf. Der Fachtag richtet sich nicht nur an Fachkräfte aus Beratungseinrichtungen, Justiz, Jugendhilfe und Polizei, sondern auch an das Gesundheitswesen und die Migrationsarbeit.

Angeboten werden u.a. Informationen zur Istanbul-Konvention, zur Praxis im Umgang mit Stalking sowie zur digitalen Gewalt.

Auch wird es zum zweiten Mal im Rahmen des „Netzwerkdatings“ möglich sein, Kontakte zu vertiefen, aber auch neue Netzwerke zu erschaffen.

Ablauf

10.00 Uhr

 

Begrüßung
Prof. Dr. Ute Ingrid Haas, Vorsitzende des Landespräventionsrates Nds.

Grußwort
Barbara Havliza, Niedersächsische Justizministerin

     
10.30 Uhr   Fachvortrag
Istanbul-Konvention: Ein starkes Instrument für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt

Karin Heisecke, Sozialwissenschaftlerin mit Tätigkeitsschwerpunkten u.a. Beendigung von Gewalt gegen Frauen

    Fachvortrag
Stalking - Opferhilfe und Täterintervention und ihre Verzahnung

Wolf Ortiz-Müller, Psychologischer Psychotherapeut und Leiter Stop-Stalking e.V.

     
12.00 Uhr   Mittagspause
     
13.15 Uhr   Fachforen Phase 1
     
14.15 Uhr   Netzwerkdating mit Kaffee und Kuchen
     
15.15 Uhr   Fachforen Phase 2
     
16.15 Uhr   Tagungsbilanz und Ausblick
     
16.30 Uhr   Tagungsende
     
Moderation  

Nora Stein
Landespräventionsrat Niedersachsen

 

Netzwerkdating - 60 Minuten: 3 neue Kontakte  (14.15 - 15.15 Uhr)

Nach dem erfolgreichen Start des „Netzwerkdatings“ während der Fachtagung 2017 wollen wir Ihnen dieses Format auch in diesem Jahr anbieten. So haben Sie die Möglichkeit, im Rahmen des Netzwerkdatings Kontakte aufzubauen oder bereits bestehende weiter zu vertiefen, um sich auch künftig gemeinsam über relevante Fragestellungen zu beraten. Sofern Sie am „Netzwerkdating“ teilnehmen möchten, übersenden wir Ihnen im Vorfeld der Fachtagung eine Liste der Teilnehmenden. Sie können fünf Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner auswählen. Aus Ihren Wünschen „matchen“ wir Gesprächspaare und Sie können bis zu drei Gespräche à 15 Minuten führen.

 

Foren  (Phase 1: 13.15 - 14.15 Uhr / Phase 2: 15.15 - 16.15 Uhr)

  • Forum 1: Das Netzwerk ProBeweis in Niedersachsen – niederschwellige Dokumentation und Spurensicherung bei häuslicher und/oder sexueller Gewalt
    Prof. Dr. med. Anette S. Debertin, Institut für Rechtsmedizin der Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
    Das niedersachsenweite „Netzwerk ProBeweis“ unter der Leitung des Instituts für Rechtsmedizin der MHH bietet Betroffenen von häuslicher und sexueller Gewalt bereits vor Erstattung einer Strafanzeige und unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht ein standardisiertes gerichtsverwertbares Vorgehen zur medizinischen Befunddokumentation und Spurensicherung an. Seit Beginn im Jahr 2012 verfügt es mittlerweile über 36 Untersuchungsstellen in 32 Städten in Niedersachsen. Neben den bisher gewonnenen Partnerkliniken stellen auch die zahlreichen Unterstützungseinrichtungen essenzielle und zukunftsfähige Netzwerkpartner dar. Vorgestellt werden die Strukturen und Erfahrungen aus dem Aufbau und der Umsetzung dieses innovativen niederschwelligen Netzwerkes. Anhand der Fallauswertungen von über 700 Betroffenen sollen erste Analysen präsentiert und die Ergebnisse diskutiert werden.
  • Forum 2: Häusliche Gewalt und das Familiengericht - Ein Blick hinter die Kulissen einer Familienrichterin
    Susanne Lehmann, M.A., Richterin am Amtsgericht
    Die Arbeit des Familienrichters fängt da an, wo die des Strafrechts aufhört.“ Diese These steht für das Spannungsverhältnis, in der sich die familienrichterliche Intervention immer dann bewegt, wenn häusliche Gewalt einen Lebensvorgang geprägt hat oder haben könnte. Für den Schutz Betroffener, insbesondere Kinder, ergeben sich besondere Anforderungen. Wie kann die Wahrnehmung des staatlichen Wächteramtes gelingen? Wie wird der Schutz gewährleistet? Was wird aus den (welchen?) Beziehungen der Kinder zu ihren Bezugspersonen? Wie kann verlässlich geklärt werden, welche Maßnahmen erforderlich sind? Der Familienrichter hat von Amts wegen den Sachverhalt zu ermitteln, kann aber (leider!) nicht hinter die Stirn der Beteiligten schauen! In dem Workshop ermöglicht eine seit 15 Jahren im Familienrecht tätige Richterin den Teilnehmern einen Blick hinter ihre Stirn und die Gelegenheit, die aufgeworfenen Fragen zu diskutieren.
  • Forum 3: Beratung und psychologische Unterstützung von Stalkingbetroffenen
    Gisela Stockem, Leiterin der Beratungs- und Interventionsstelle bei Häuslicher Gewalt für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland
    Gisela Stockem, Leiterin der Beratungs- und Interventionsstelle bei Häuslicher Gewalt für die Stadt Oldenburg und den Landkreis Ammerland Die strafrechtliche Verfolgung von Stalking führt leider oft nicht zum Erfolg! Das Stalking hört nicht auf und Verurteilungen sind selten. Mitunter eskaliert gar die Situation. Der Jagdinstinkt des Stalkers/der Stalkerin ist angeheizt. Eine unerwünschte, aber häufige Nebenwirkung der strafrechtlichen Verfolgung für die Betroffenen ist, dass „ihr Stalker“/“seine Stalkerin“ subjektiv an Bedeutung gewinnt. Den von Stalking betroffenen Frauen und Männern kann aber geholfen werden! Ich stelle Ihnen mein Konzept der Beratung und der psychologischen Unterstützung für Stalkingbetroffene vor, mit dem ich seit vielen Jahren gute Erfolge erziele. Ich zeige Ihnen, wie Sie aus Stalkingopfern aktive Betroffene machen können, die die Verantwortung für die eigenen Gesundheit und Wohlergehen wieder in die Hand nehmen, so indirekt auf den Stalkingprozess einwirken und diesen in den allermeisten Fällen beenden können. Eigene Fallbeispiele und Fragen können Sie gern einbringen.
  • Forum 4: Digitale Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehugen
    Jenny-Kerstin Bauer
    Digitale Gewalt gegen Frauen ist eine neue, verstärkt auftretende Gewaltform in intimen Partnerschaften. Frauenunterstützungseinrichtungen, andere Unterstützer*innen sowie betroffene Frauen stehen in der Bewältigung dieser Gewaltform vor großen Herausforderungen. Im Workshop werden verschiedene Formen digitaler Gewalt aufgezeigt. Was z.B. ist Doxing, welche Ortungsdienste gibt es und wie geht man mit viralen Videos um? Welche Strategien gibt es im Umgang mit digitaler Gewalt für die psychosoziale Beratung?
  • Forum 5: Gewalttätige Partner, fürsorgliche Väter?! Soziale Trainingskurse mit Vätern
    Doreen Herler und Bernward Müller-Prange, Männerbüro Hannover e.V.
    Die Erfahrung vieler Fachkräfte zeigt: Gewalttätige Väter entziehen sich, sind nicht greifbar, schwer zu erreichen – oder aber sie treten aggressiv auf, wirken bedrohlich und machen den Kontakt mit ihnen unerträglich. Wir wollen für diese Dynamik sensibilisieren und für die Arbeit mit schwierigen Vätern, die oft auch gewalttätige (Ex-)Partner sind, werben: Wie können die Väter mit ins Boot geholt werden? Wie lässt sich eine Basis für konstruktiven, kindzentrierten und gewaltfreien Umgang in der Familie und zwischen den Eltern schaffen? In unserem Workshop wollen wir diesen Fragen anhand der Erfahrungen mit dem Konzept des kanadischen Kursprogramms „Caring Dads“ nachgehen.
  • Forum 6: Opferschutz für ALLE Frauen – Gewaltprävention und –schutz für geflüchtete Frauen
    Kargah e.V.- Flüchtlingsbüro, Dina Cavcic
    Kargah e.V.- Suana, Tanja Kovacevic
    In dem Forum gehen wir gemeinsam der Frage nach, wie Gewaltprävention und Gewaltschutz bei der besonders vulnerablen Personengruppe geflüchteter Frauen umsetzbar ist. Welche migrationsspezifischen Bedingungen, Herausforderungen und Hürden bestehen, bei der Umsetzung des Gewaltschutzes bei Frauen mit Fluchthintergrund? Wie erreicht man geflüchtete Frauen um sie zu stärken und zu empowern, insbesondere wenn sie von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind?

Tagungsort und Anreise

Akademie des Sports, Ferdinand-Wilhelm-Fricke Weg 10, 30169 Hannover, Anfahrt unter https://www.akademie.lsb-niedersachsen.de/

Anmeldung und Kosten

Bitte melden Sie sich bis zum 17. Oktober 2018 online an unter www.lpr.niedersachsen.de. Die Teilnahmegebühr beträgt 30,- Euro. Alle Informationen zur Überweisung erhalten Sie mit der Anmeldebestätigung.