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Betrifft: Häusliche Gewalt - Häusliche Gewalt früher sehen!

Datum: 01.12.2016, 09:30 Uhr bis 16:00 Uhr
Veranstaltungsort: Akademie des Sports, Hannover
Teilnahmegebühr: 30,00 Euro
 

Häusliche Gewalt ist keine innerfamiliäre Angelegenheit. Die Gesellschaft und ihre Institutionen übernehmen in den vergangenen Jahren verstärkt die Verantwortung für im privaten Raum ausgeübte Gewalthandlungen. Das bereits vorhandene Hilfesystem entwickelt sich stetig weiter und wird von vielen betroffenen Frauen und ihren Kindern in Anspruch genommen. Dennoch verdeutlichen Dunkelfeldstudien, dass die bestehenden Unterstützungsangebote nicht alle Betroffenen erreichen. Informationen über Unterstützungsangebote müssen deshalb vor allem an den Stellen verfügbar sein, die von potentiell Betroffenen aufgesucht werden. Ärztliche Praxen oder der soziale Nahraum sind häufig die ersten und einzigen Anlaufstellen.

Die 14. Fachtagung im Rahmen des Landesaktionsplans „Häusliche Gewalt“ greift einige der damit zusammenhängenden Aspekte auf und richtet sich an Fachkräfte aus Beratungseinrichtungen, Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Justiz, Migrationsarbeit und Polizei. Die Tagung bietet u.a. Informationen zur Prävention von häuslicher Gewalt in der Schwangerschaft, der gesundheitlichen Versorgung gewaltbetroffener Frauen, Gewaltschutz für Frauen mit Migrationshintergrund und Bedarfe und Rechte der Betroffenen im Strafverfahren.

Ablauf

10.00 Uhr

 

Grußworte

Frauke Heiligenstadt
Niedersächsische Kultusministerin

Prof. Dr. Ute Ingrid Haas
Vorsitzende des Landespräventionsrates Nds.

     
10.30 Uhr   Prävention häuslicher Gewalt beginnt in der Schwangerschaft
Dr. Wilfried Kratzsch
Deutsches Forum Kinderzukunft
     
11.15 Uhr   Betroffene sollen nicht ohne Hilfe bleiben!
Leitlinien und Handbuch der WHO zur Intervention bei häuslicher und sexualisierter Gewalt im Gesundheitsbereich Marion Winterholler und Karin Wieners,
     
12.00 Uhr   Mittagspause
     
13.00 Uhr   Fachforen Phase 1
     
14.15 Uhr   Kaffeepause
     
14.30 Uhr   Fachforen Phase 2
     
15.45 Uhr   Tagungsbilanz und Ausblick

Andrea Frenzel-Heiduk
Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung

     
16.00 Uhr   Tagungsende
     
Moderation  

Isabell Plich
Landespräventionsrat Niedersachsen

 

Fachforen Phase 1, Phase 13.00 - 14.15 Uhr

  • Forum 1: Kultursensible Betreuung und Kommunikation
    Arezou Ghasemzadeh, Stadt Oldenburg

    Bis heute wird die besondere Problematik von Flucht und Flüchtlingsfrauen innerhalb der Arbeit zum Thema „Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ zu wenig beachtet.

    Durch einen theoretischen Input und praktische Übung werden die Teilnehmer dieses Workshops für den Umgang mit von Gewalt betroffenen Flüchtlingsfrauen und -mädchen aus verschiedenen Kulturkreisen sensibilisiert.

    Die Referentin Arezou Ghasemzadeh ist im Rahmen ihrer Promotion an der Universität Oldenburg u.A. mit dem Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit türkisch/kurdischem Migrationshintergrund befasst. Sie arbeitet als pädagogische Fachkraft in der Ambulanten Flüchtlingsbetreuung mit und für Flüchtlingsfrauen in der Stadt Oldenburg. Im Sommer 2015 hat sie einen Konzeptvorschlag für ein „zentrales Haus für Flüchtlingsfrauen“ in Oldenburg entwickelt.

    Die wesentlichen Aspekte und thematischen Schwerpunkte des Workshops sind:  

    • Individualität – Kenntnis der individuellen Verhaltensweisen. Diese sind abhängig vom persönlichen Hintergrund der Frauen und damit verschieden, jedoch vom her Wert gleich.
    • Kommunikation – Die Macht der Sprache. Wer sind die „anderen“? Bedeutung von Wertung und Wertschätzung - von Vor- und anderen Urteilen.
    • Kultur – Was ist Kultur? Reflexion der eigenen Handlungsweisen und Reflexion eigener kulturgeprägter Denkschemata und Kommunikationsschubladen.
  • Forum 2: Schutz von Frauen und Kindern vor Häuslicher Gewalt in Flüchtlingsunterkünften - Konzeptionen, aktuelle Situation und Praxis
    Eva Lutter, Caritasstelle im Grenzdurchgangslager Friedland 
    Conny Hiller, Bonveno Göttingen gGmbH
    Annegret Kortleben, Polizeiinspektion Göttingen
    Christine Müller, Stadt Göttingen

    In den Unterkünften für Flüchtlinge ist der Gewaltschutz im Kontext häuslicher Gewalt inzwischen an mehreren Orten Thema. Handlungskonzepte zum Schutz der Frauen und Kinder, die für den Schutz vor Häuslicher Gewalt in Niedersachsen entwickelt wurden („Wer schlägt muss gehen!“, Handlungsleitlinien der Polizei), müssen überdacht und der Situation in Flüchtlingsunterkünften angepasst werden. Ein Beispiel guter Praxis in der regionalen Umsetzung und konzeptionelle Überlegungen im Rahmen der Förderung durch das BMFSFJ in Kooperation mit UNICEF werden vorgestellt und diskutiert.

  • Forum 3: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen – Vorstellung des Beratungsangebots und Erfahrungen aus der Praxis
    Petra Söchting, Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben

    Das Hilfetelefon berät seit März 2013 zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen – rund um die Uhr, kostenlos, anonym und vertraulich, mehrsprachig und barrierefrei. In den ersten drei Jahren waren rund 72.000 Beratungskontakte zu verzeichnen. Bei einem großen Teil der Anfragen, die das Hilfetelefon erreichen, geht es um das Thema Häusliche Gewalt. Im Workshop werden das Angebot und die Arbeitsweise des Hilfetelefons sowie Erfahrungen aus der Beratungspraxis vorgestellt und Schnittstellen zu anderen Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen aufgezeigt.

  • Forum 4: Präventionsnetzwerk Häuslicher Gewalt unter Mitbeteiligung des Gesundheitswesens
    Dr. Wilfried Kratzsch, Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft
    Marion Steffens, Kompetenzzentrum Frauen und Gesundheit NRW

    Die Polizei bindet bei Ereignissen von familiärer Gewalt, bei denen Kinder Zeugen sind, das Jugendamt und eine spezialisierte Beratungs-/Interventionsstelle mit ein. Alle Drei sind Teilnehmer Runder Tische zur Prävention häuslicher Gewalt, die in vielen Städten Deutschlands existieren. Niedergelassene Ärzte und Klinik-Ärzte sind oft erste Ansprechpartner bei Fällen von häuslicher Gewalt. Trotzdem sind Ärzte und weitere Vertreter des Gesundheitswesens in kommunalen Netzwerken nur selten einbezogen.

    Probleme und Möglichkeiten der Einbindung des Gesundheitswesens in Handlungsabläufe kommunalter Präventions-Netzwerke Häuslicher Gewalt werden im Workshop erörtert und diskutiert.

  • Forum 5: Bedarfe und Rechte von Opfern von Partnergewalt im Strafverfahren - Empfehlungen zur Umsetzung der EU-Opferschutzrichtlinie
    Sandra Kotlenga, Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen
    Barbara Nägele,  Zoom – Gesellschaft für prospektive Entwicklungen
    Sabine Nowak, Deutsche Hochschule der Polizei

    Die Opferschutzrichtlinie 2012/29/EU der Europäischen Union vom 25. Oktober 2012 etabliert in einem neuen Umfang Mindeststandards für die Rechte, die Unterstützung und den Schutz von Opfern von Straftaten. Spezielle Vorschriften gelten für Opfer, die aufgrund ihrer Beziehung zum und Abhängigkeit vom Täter oder von der Täterin besonders gefährdet sind. Sie gelten damit für eine große Zahl von Frauen, Männern und Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Die Richtlinie ist seit November 2015 gültig. Entsprechende Anpassungen auf der Ebene der Bundesgesetzgebung sind erfolgt. Für das Projekt INASC waren die neuen Bemühungen zur Stärkung von Opfern in Strafverfahren der Anlass zu untersuchen, welche Erfahrungen von häuslicher Gewalt Betroffene mit Polizei und Justiz machen und welche Bedarfe und Bedürfnisse sie diesbezüglich haben. Während die Befunde der Studie  im Rahmen eines Workshops bei b-trifft häusliche Gewalt im Jahr 2015 bereits präsentiert worden sind, sollen in dem diesjährigen Workshop die gesetzlichen und praktischen Veränderungen, die sich aus der Opferschutzrichtlinie ergeben, vorgestellt werden und Empfehlungen zur Umsetzung gegeben werden. In diesem Zusammenhang wird eine Broschüre für Fachkräfte in Polizei, Justiz und in Opferunterstützungseinrichtungen präsentiert. Hürden und Optionen von verbessertem Opferschutz im Strafverfahren werden mit den Teilnehmenden thematisiert.

Fachforen Phase 2, Phase 14.30 - 15:45 Uhr

  • Forum 6: „Worte helfen Frauen“ – ein Programm für Übersetzungsleistungen für Beratungsstellen, die schwangere oder von Gewalt betroffene Frauen beraten
    Almut von Woedtke, Gleichberechtigung und Vernetzung e.V.

    Das Programm „Worte helfen Frauen“ bietet Übersetzungsleistungen für Beratungsstellen, die schwangere oder von Gewalt betroffene Frauen beraten.

    In dem Workshop wird das Programm, das in Trägerschaft von Gleichberechtigung und Vernetzung Anfang 2016 an den Start gegangen ist und vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird,  vorgestellt. Hintergrund der Projektidee, Informationen zur Durchführung und Antragstellung und Erfahrungen aus dem ersten Projektjahr sind Inhalt des Workshops.  Eine Diskussion zur den Erfahrungen der Teilnehmenden und den Notwendigkeiten und Bedarfen in diesem Bereich schließt sich an.

  • Forum 7: Häusliche Gewalt aus schulischer Perspektive
    Beatrix Schwarzer, Niedersächsische Landesschulbehörde

    Dieser Workshop richtet den Blick auf den Sozialraum Schule. Es werden psychologische Erklärungsansätze herangezogen, um sich folgenden Fragestellungen anzunähern: Welche Auswirkungen hat häusliche Gewalt auf Schülerinnen und Schüler und wie äußern sich diese im Schulalltag? Welche Präventionsansätze und Unterstützungsmöglichkeiten kann Schule bieten?

  • Forum 8: Niedersächsisches Krisentelefon gegen Zwangsheirat/ kargah e.V-  Zum Umgang mit Betroffenen von Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der Ehre
    Tanja Kovacevic und Irmak Kamali, kargah e.V., Hannover

    Die Teilnehmenden bekommen in einem theoretischen Impulsreferat Einblick in die Beratungsarbeit der Beratungsstelle, über Ursachen und Hintergründe des Auftretens von Gewalt im Namen der Ehre und Kenntnis über das soziale und kulturelle Umfeld, in dem Gewalt im Namen der Ehre entstehen kann und welche Wertvorstellungen dem zugrunde liegen. Wir wollen Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, insbesondere bei der Arbeit mit Fachkräften, wie dem Thema Zwangsheirat präventiv begegnet werden kann und zeigen Praxisbeispiele. Anschließend streben wir einen Erfahrungsaustausch mit der Gruppe an und wollen gemeinsam Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten ausarbeiten.

  • Forum 9: Psychosoziale Prozessbegleitung und häusliche Gewalt - neue Opferrechte in der Praxis
    Dagmar Freudenberg, Fachstelle Opferschutz im Landespräventionsrat Niedersachsen

    Ab 1. Januar 2017 ist in der Strafprozessordnung vorgeschrieben, für Opfer von Straftaten mit besonderem Schutzbedarf psychosoziale Prozessbegleitung vorzuhalten. Nach den niedersächsischen Standards gehören zu dieser Opfergruppe auch die Betroffenen von häuslicher Gewalt. Einzelheiten zur Umsetzung sind Gegenstand von Information und Diskussion in diesem Workshop.

  • Forum 10: Ausländerrechtliche Aspekte der häuslichen Gewalt
    Hildegard Struchholz, Landeshauptstadt Hannover
    Sabine Fälchle, Landeshauptstadt Hannover

    „Häusliche Gewalt“- was auf den ersten Blick so eindeutig erscheint, kann aus ausländerrechtlicher Sicht jedoch oftmals keine Berücksichtigung finden.

    Woran liegt das?

    Dazu möchten wir zunächst eine Einführung in die einschlägigen Vorschriften des Aufenthaltsgesetzes geben. Anschließend können wir gemeinsam überlegen, ob es Wege aus dem Dilemma gibt.